Asthmasportgruppen
   
  Asthmasportgruppe - Merkblatt für Lehrer

Asthmasport für Kinder
in der Integrativen Sportgruppe des MTV Ludwigsburg

Informationen: Dr. med. Thomas Kauth,
Tel.: 0 71 41 / 29 930 30 oder
MTV Ludwigsburg, Tel.: 0 71 41 / 87 03 69

  Asthma & Sport bei Kindern - wie geht das?
Wichtige Informationen für Sportlehrer und Übungsleiter

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Bewegung, Spiel und Sport bei Asthmakindern ganz wesentlich zu einer normalen Entwicklung der Organe und des Bewegungsapparates beitragen. Körperliche Aktivität hat vielfältige positive körperliche und seelische Auswirkungen, fördert die Lungenfunktion und ist ein wichtiger Bestandteil der ganzheitlichen Asthmatherapie. Daher ist es heute "out", Asthmakinder vom Sport fernzuhalten oder sie vom Sportunterricht zu befreien.
Die sinnvolle Integration der asthmakranken Kinder in den regulären Sportunterricht gelingt jedoch nur, wenn Sportlehrer, Eltern, betroffene Kinder und (Kinder-)Ärzte durch gegenseitiges Vertrauen, Information und Abstimmung an einem Strang ziehen.

     
Sehr geehrte SportlehrerInnen und ÜbungsleiterInnen,

mit den folgenden Informationen möchten wir Sie bei Ihrer wichtigen sportpädagogischen Aufgabe unterstützen:
  • Typisch für das Asthma im Kindes- und Jugendalter ist die Wechselhaftigkeit und Individualität vor allem bezogen auf die Häufigkeit, den Zeitpunkt und den Schweregrad des Auftretens der typischen Symptome (Atemnot, Husten, Giemen="Pfeifen", Auswurf)
  • Lassen Sie sich von dem betroffenem Schüler bzw. dessen Eltern über das Asthma individuell informieren, insbesondere über:
  • die Art des Asthmas (allergisches Asthma, Infektasthma, Anstrengungsasthma, Mischformasthma),
  • die möglichen Auslöser von Atemnot (Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare, Staub, Rauch, Ozon, kalte Luft, körperliche
    Anstrengung etc.),
  • den Zeitraum bzw. die Zeiten, in denen am häufigsten Atemnot auftreten kann
    (Frühjahr, Herbst, bei naßkaltem Wetter, in den frühen Morgenstunden etc.),
  • die Medikamente, die das Kind einnimmt, bei Atemnot und vor dem Sport, und bestehen Sie darauf, dass das Kind die Notfallmedikamente im Sport (in der Sporttasche) dabei hat.
Die Art und Höhe der körperlichen Belastungsfähigkeit des Kindes hängt vom aktuellen Befinden ab. So kann es sein, dass das Kind an den meisten Sportstunden wie jedes andere normal teilnehmen kann, da es zur Zeit beschwerdefrei ist, während an anderen Tagen, aufgrund vorhandener Beschwerden, nur eine modifizierte Beteiligung möglich ist. >Daher fragen Sie das betroffene Kind vor dem Sport nach dem aktuellen Befinden und lassen Sie das Kind vor dem Sport eine "Peak-flow-Messung" (einfache Lungenfunktionsmessung) durchführen, um den Zustand der Atemwege festzustellen (fast jedes Asthmakind besitzt ein solches Messgerät und kann es handhaben und den Wert interpretieren). Liegt der Messwert mehr als 20 % unter dem üblichen Wert, so ist mit einer eingeschränkten Sportfähigkeit zu rechnen.
  • Bei einem Atemnotanfall während des Sportunterrichtes empfiehlt sich
  • beruhigend auf das Kind einzuwirken
  • die Atmung zu beruhigen, indem das Kind mittels Lippenbremse ausatmet
  • die Atmung durch die Einnahme einer sogenannten atemerleichternden Körperstellung zu begünstigen
  • nochmals 2 Spühstöße des Notfallmedikaments zu inhalieren.

Empfehlungen für die Sportpraxis mit asthmakranken Kindern:

  • Die Teilnahme am Sport ist für asthmakranke Kinder nicht von der Sportart abhängig. Im Grunde sind alle (Schul-) Sportarten geeignet, entscheidend sind die Auswahl der Bewegungsinhalte, vor allem die Art und Dauer der Belastung.
  • Die Intervallmethode ist ideal, da es für Asthmakinder besonders wichtig ist, dass sich die Atmung zwischen den Belastungen beruhigt, um eine asthmaanfallauslösende Hyperventilation ("Hechelatmung") zu vermeiden.
  • Wichtig ist eine intervallmäßig gestaltete und ausreichende Aufwärmung. Ein "Kaltstart" kann bei Asthmakindern einen Atemnotanfall auslösen.
  • Bei der Sportauswahl sollten Übungen favorisiert werden, mit denen insbesondere die koordinativen Fähigkeiten und die gesamte Motorik verbessert werden. Eine Verbesserung der Motorik hat einen geringeren Energieverbrauch zur Folge und senkt damit das Risiko einer Hyperventilation und eines Asthmaanfalls.
  • Von den Sportarten empfehlen sich solche, die in ihrem Ablauf oder ihrem Regelwerk bereits intervallmäßig angelegt sind.
  • Im konditionellen Bereich kann empfohlen werden:
  • Ausdauer als Kurz- bis Mittelzeitausdauer
  • Kraft im Sinne von Haltungsprophylaxe und Kräftigung der Atemmuskulatur (als dynamische Muskelarbeit)
  • Schnelligkeit im Sinne von Reaktionsschnelligkeit, Beschleunigungsvermögen und Aktionsschnelligkeit (keine Schnelligkeitsausdauer!)

Sehr geehrte SportlehrerInnen und ÜbungsleiterInnen,
natürlich gibt es auch für den Umgang mit asthmakranken Kindern im Sport kein Patentrezept. Insofern verstehen Sie unsere Empfehlungen als Anregung und Hilfe oder auch Bestätigung für Ihre pädagogische Arbeit mit diesen chronisch kranken Kindern. Unser gemeinsames Ziel sollte sein, den asthmakranken Kinder ein lebenslanges und freudvolles Sporttreiben zu ermöglichen. Dabei hat der Sport eine wichtige integrative Funktion und verbessert die Lebensqualität.
Für weitere Informationen steht Ihnen gern Dr. Thomas Kauth (Tel.: 07141/2993030) zur Verfügung, oder Sie besuchen die Asthmasportgruppe für Kinder beim MTV Ludwigsburg, donnerstags von 17:00-18:00 Uhr in der Sporthalle der Fröbelschule in 71634 Ludwigsburg.

Kerstin Bergold und Dr. med. Thomas Kauth